Some Day

Some Day: Chen Jiao's Solo Exhibition

Die erste Einzelausstellung der chinesischen Künstlerin Chen Jiao in den Vereinigten Staaten ist vom 26. März bis 24. April 2011 bei Tally Beck Contemporary, 42 Rivington Street, New York City gezeigt worden.

Beim ersten Blick auf Chens Kompositionen fällt die Frische und Einfachheit auf. Chen präsentiert präzisionistische Gemälde von Gebäuden, architektonischen Elementen, Vegetation und scholastischen und bürokratischen Vignetten aus ihrer Jugend im Südwesten Chinas. Die einfachen Kompositionen und die gedämpfte Palette verbergen eine tiefe semiotische Komplexität in der Methodik und Thematik ihrer Werke.

Die meisten von Chens Gemälden beinhalten ein dicht komponiertes, zentrales Thema, das von einem großen neutralen Raum umgeben ist. Dieser Raum ist breit und mit Absicht aufgebaut, um die Vorstellung von abgenutzten Außenseiten institutioneller Gebäude hervorzurufen. Chens Anwendung von Farbe und anderen Medien erweckt die Vorstellung von blassem, angefressenem Beton, welcher der Oberfläche eine falsche, romantisierte Strenge gibt.

Das zentrale Element in Chens Gemälden ist oft ein unscheinbares Gebäude—üblicherweise eine Fabrik oder Schule—das die schmucklose, einfache Architektur chinesischer Staatsunternehmen charakterisiert. In anderen Kompositionen stehen architektonische Elemente wie Laternenmasten oder traditionellere pagodeartige Strukturen im Mittelpunkt. Manchmal stellt Chen ein zentrales botanisches Bild dar—üppige grüne Bambus, oder vielleicht öde, verknotete Bäume, die von einem gnadenlosen Winter bloßgelegt wurden.

Unabhängig von der Thematik beschreibt Chen den behandelten Gegenstand mit sehr dünnen, präzisen Linien, die uns sofort an technisches Zeichnen erinnern. Chen führt uns weiter mit dieser Intuition, indem sie Perspektivelinien und arithmetische Aufzeichnungen einfügt, die aus dem zentralen Bild ausstrahlen. Wenn wir nur auf oberflächliche Beobachtung angewiesen sind und Chen als chinesische präzisonistische Künstlerin mit einem Fetisch für Architektur ablehnen, verfehlen wir die Hauptgeschichte.

Ein genauerer Blick macht deutlich, dass Chens Perspektiven absichtlich verzerrt sind; ihre Kompositionen gehorchen nicht den Gesetzen der linearen Ein-Punkt-Perspektive. Dächer und Dachrinnen sind schief, und angrenzende Seiten von Gebäuden weiten sich auf, um mehr von den Wänden und Fenstern auf beiden Seiten sehen zu lassen. Die sorgfältigen Berechnungen, die die Kompositionen umkreisen, sind oft sinnlos. Die Geometrie der messerscharfen Perspektivelinien? Bloße Verzierung.

Es ist kein Zufall, dass Chen diese Scharade mit Symbolen staatlicher Tätigkeiten schafft. Dies sind die bekannten, banalen Stadtbildelemente aus ihrer Kindheit, aber die vorsichtigen, geraden Kanten und die auffälligen, am Rand befindlichen Summen vermitteln den Eindruck von Autorität und wissenschaftlicher Gewissheit. Diese Zeichen von Scheinwissenschaft wurden eingefügt um zu täuschen, und sie wirken als unauffällige Satire. Chens sanfter Verrat lockt uns und lässt uns lächeln, während er die anerkannten Grundlagen von Autorität in Frage stellt.

Das größte und wichtigste Element in dieser Ausstellung passt nicht in diese vorgenannten kompositorischen Strukturen. Chen verwendet ihre hervorragenden Fähigkeiten als Mixed-Media-Impresario, um eine typische Schultafel aus ihrer Generation der 1980er und 1990er Jahre nachzubilden. Die chinesischen Schriftzeichen verkünden „Arbeit schafft die Welt“ und erinnern Schüler an die Bedeutung von Karl Marx und des Ersten Mai. Ein Diagramm, das die rechte Seite der Leinwand beherrscht, schätzt die Kinder öffentlich für ihre Verhaltung und Sauberkeit ein. In Chens Werken können wir die Verbindungen zwischen früher Indoktrination und die Gründung totalitärer Autorität erkennen.